Bei der Suche nach dem guten und glücklichen Leben, rückt nun verstärkt die Suche nach einem einfachen Leben in den Vordergrund. Die Hoffnung ist, dass ein einfaches Leben sich auch einfacher leben lässt – und nicht etwa noch mehr Probleme mit sich bringt. Unter Begriffen wie Stoizismus, Asketentum, Postmaterialismus oder Materialismuskritik ist das Thema immer schon und in allen menschlichen Kulturen behandelt worden, in Amerika war der Transzendentalismus der Vorgänger der modernen Bewegungen. Einfaches Leben, Freiwillige Einfachheit, Minimalismus und Downshifting sind die Begriffe mit denen dieser Trend heute zunehmend bezeichnet wird.
Das es sich um einen Trend handelt lässt sich schon daran lesen, dass das Buch Simplify your life („Vereinfache dein Leben“) von Werner Tiki Küstenmacher und Lothar J. Seiwert, 1998 erschienen, mittlerweile in der 15. Auflage gedruckt wird. Im englisch-sprachigen Raum ist Getting Things Done von David Allen ein ähnliches Phänomen.
Simplify Your Life umfasst einfache Tipps zur Selbstorganisation und auch Reflektionen über die Beziehungen zu anderen Menschen, die eigene Persönlichkeit und Spiritualität. Das eher praktisch orientierte Getting Things Done plädiert für eine starke Aufgabenteilung im Alltag. Zunächst sollen alle Aufgaben aufgelistet werden, dann erledigt werden. Dadurch, dass man sich genau an die Liste hält und ihr völlig vertraut, kann man den Kopf frei bekommen, von anderen ablenkenden Gedanken und sich völlig auf das gegenwärtig zu Erledigende konzentrieren. Wichtig ist es, alle Aufgaben, die schnell zu erledigen sind, sofort anzugehen.
Die spirituelle Richtung der Simplify-Bewegung beschäftigt sich mehr mit der richtigen Einstellung, als mit praktischen Regeln. Hier geht es eher um Gesellschaftskritik anstatt Optimierung an die vorhandene Gesellschaft durch Eigenmanagement. Der American Way Of Life und der moderne Alltag sollen „entrümpelt“ werden, und eine „Entspannung“ stattfinden. Das abstrakte Ziel ist Konsumkritik und dadurch bewusster und glücklicher zu leben. LOVOS, Lifestyle Of Voluntary Simplicity soll dem konsumorientierten LOHAS, Lifestyle Of Health And Sustainability entgegengesetzt werden. Vom konsumkritischen Normalverbraucher bis zum Total-Aussteiger ist in der Bewegung alles enthalten.
Die Kritik zumindest an Ratgebern zu dem Thema ist, dass sie recht banal und schlicht sein können. Da sie darauf ausgerichtet sind, ein großes Publikum zu erreichen, werden of Alggemeinplätze bedient. Da auf die Individualität des Lesers nur sehr begrenzt eingegangen werden kann, sind die Ratschläge nicht auf die Einzelfälle angepasst und wirken in der Praxis wie stresserzeugende Gewohnheitsänderungen.
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